Arche Horhausen

Von der evangelischen Diaspora Horhausen zum Pfarrbezirk Horhausen

Aus dem Jahrbuch des Kreisheimat-Verein Altenkirchen-Westerwald

Nachdruck mit dessen Erlaubnis

Autor: Karl-Heinz Frankhäuser

Wir versetzen uns zurück in das Jahr 1845. Der Abbau von Eisenerz im Westerwald gewinnt zunehmend an Bedeutung. Damals ahnte kein Einwohner, daß bereits um 1900 die Grube ,,Friedrich Wilhelm“ oberhalb der Ortschaft Huf geschlossen wird, dann 1930 die Grube Louise. Es blieb dem Siegerländer Erzbergbau AG vorbehalten, im Jahre 1965 auch die Grube Georg in Willrother Höhe zu schließen.

Diese Entwicklung war nicht vorauszusehen, da sonst die Firma Krupp nicht in diesem Bereich des vorderen Westerwaldes soviel investiert hätte: Da waren einmal die zahlreichen evangelischen Mitarbeiter der genannten drei Gruben und weiteren kleinen Betriebe im Umkreis, die seelsorgerlich betreut werden sollten.

So kam es zu der Einpfarrungsurkunde Horhausen vom 13.3.1845 durch die königliche Regierung, Abt. des Inneren, Koblenz. Die Dörfer Bruch, Bürdenbach, Epgert, Grube Louise, Güllesheim, Horhausen, Huf, Krunkel, Luchert, Niedersteinebach, Obersteinebach und Willroth sollten nun als Diasporabezirk Horhausen von der Evg. Kirchengemeinde Honnefeld aus betreut werden. Fünfundvierzig Jahre später müssen die zu der Zeit 18 evangelischen Kinder nicht mehr die Schulen in Horhausen, Eichen und Oberlahr besuchen, da die Firma Krupp mit staatlicher Genehmigung am 6.11.1890 ,,eine evg. Volksschule auf Grube Louise bei Bürdenbach“ errichten ließ, wobei die zweimal in jedem Jahr stattfindende Revision durch den Lokalschulinspektor Superintendent Pfarrer Johann Wilhelm Görhardt aus Oberhonnefeld durchzuführen war.

Wie sehr die Grube Louise den wirtschaftlichen Aufschwung im zweiten deutschen Kaiserreich spürte, war an der Errichtung einer Seilbahn zum Transport von Eisenstein, hier von der Grube Georg zur Grube Louise, zu messen. 1907 genehmigte der Landrat von Altenkirchen den evg. Gottesdienst im Schulsaal der Grube Luise, wobei Pferd, Wagen und Kutscher von der Firma Krupp gestellt wurden damit der jeweilige Pfarrer aus der Kirchengemeinde Honnefeld alle vier Wochen Gottesdienst, bis zur Schließung der Grube im Jahre 1930, hier halten konnte. Mit der Schließung der Grube Louise endete auch der Unterricht in der dortigen evangelischen Volksschule und der Verkauf des von Konsumleiter Robert Ließfeld geleiteten Geschäfts.

Der kleine Alfred Ließfeld wurde noch in der Volksschule Horhausen eingeschult, bevor der Vater den Konsum auf der Grube Georg übernahm und der Grundschüler jeden Tag in die evg. Volksschule Oberhonnefeld gehen mußte, wie auch die anderen evg. Kinder der Angestellten des Bergwerkes, soweit sie auf dem Grubengelände oder auf der Willrother Höhe in Willroth oder in den Steigerhäusern ,,Im Komb“ wohnten.

Es wurde still um den Diasporabereich Horhausen, da nach dem Ersten Weltkrieg keine ,,Waffenschmiede Deutschlands“ mehr jeden Krümel Eisenstein zur Erzgewinnung benötigte; so begann das erste große deutsche Grubensterben.

Es kamen die Jahre des ,,l000-jährigen Reiches“ von 1933 bis 1945, in denen nur die Grube Georg auf der Willrother Höhe Bedeutung hatte, abgesehen von Schürfversuchen in alten Stollen und Schächten, auf Anordnung des zuständigen Reichsministers Hermann Göring.

Wie sehr der Diasporabezirk Horhausen ein Anhängsel an der im Landkreis Neuwied gelegenen Kirchengemeinde Honnefeld war, zeigt das im Jahre 1952 erschienene ,,Gemeindebuch Kirchenkreis Wied“, herausgegeben vom Kirchenkreis Wied‘ in dem jeder Pfarrstelleninhaber seine Gemeinde in einem kurzen geschichtlichen Abriß und deren Situation im Erscheinungsjahr dargestellt hat. Der Diasporabereich Horhausen wird nicht erwähnt!

Doch dann kommt Bewegung in diesen kirchlichen Raum: Am 23. September 1989 beantragt das Presbyterium unter der Federführung seines Vorsitzenden Pfarrer Bernd Ahrens ,,die Errichtung einer zweiten (Pfarr-)Stelle für den Diasporabereich Horhausen.“ Es ,,erscheint dem Presbyterium die Errichtung einer zweiten Pfarrstelle als Dauerlösung für die seelsorgerliche Betreuung unserer Gemeindeglieder unumgänglich“, zumal die Zahl der Evangelischen ständig gestiegen ist. Alleine ein Vergleich der Jahre 1970 und 1987 zeigt dies:

 

Ort:  

1970

 

1987

Horhausen  

7,0%

17,89%
Bürdenbach  

17,0%

26,14%
Güllesheim  

5,5%

14,15%
KrunkellEpgert  

11,5%

12,40%
Niedersteinebach  

9,3%

33,65%
Obersteinebach  

2,2%

18,28%
Pleckhausen  

9,9%

27,30%
Willroth

13,5%

18,56%

(Prozentzahlen jeweils von der Gesamteinwohnerzahl der betreffenden Ortschaft)

Da die Ortschaft Horhausen inzwischen ein sogenanntes Kleinzentrum ist, kommt es zur Erweiterung der Baugebiete und des Industriegebietes und somit auch sicher zu einem weiteren Zuzug auch von evangelischen Bürgerinnen und Bürgern.

Auf jeden Fall liegt die Zahl der Evangelischen im Bereich Horhausen bei etwas mehr als einem Drittel der Gesamtgliederzahl der Evg. Kirchengemeinde Honnefeld. Dies wurde bereits bei den Wahlen zum Presbyterium am 16. Februar 1992 berücksichtigt, bei denen der zweite Pfarrbezirk erstmals eine eigenen Wahlbezirk bildete und statt bisher einen Presbyter nun vier Mitglieder im Gesamtpresbyterium hat.

Die gottesdienstliche Betreuung für Horhausen hatte sich bereits in den letzten Jahren etwas gebessert, zumal ab 1. April 1988 der Pastor im Hilfsdienst Peter Gottke eingestellt werden konnte.

Aus den zwei bis drei Gottesdiensten, jeweils an Samstagen im Monat, konnte ein regelmäßiges Angebot vorgelegt werden.

Da die Gemeindeglieder keine eigenen Räume für die in Horhausen stattfindenden Gottesdienste hatten, wurden diese über viele Jahre in der katholischen Kirche St. Maria Magdalena Horhausen gehalten und größere Gemeindeveranstaltungen im Kaplan-Dasbach-Heim der r. k. Kirchengemeinde, was alle Gemeindeglieder mit Dankbarkeit in Erinnerung behalten werden, zumal mit dem Einzug in die Räume der ,,Arche“ in Horhausen das Raumproblem lediglich gemildert ist und weitere Hilfsangebote der katholischen Gemeinde dankbar angenommen werden.

Am 1. Oktober 1989 wird Peter Gottke als Pastor im Sonderdienst bestätigt und kann seine erfolgreiche Aufbauarbeit fortsetzen.

1991 folgen Gespräche ,,vor Ort“ mit Vertretern des Landeskirchenamtes aus Düsseldorf (Evg. Kirche im Rheinland), hier mit Gemeindegliedern, dem Presbytertium und Vertretern der Kommunen. Eine Fahrt durch den ausgedehnten Diasporabereich beschließt den Informationstag, an dem auch die kommunalen Vertreter die Errichtung einer Pfarrstelle in Horhausen begrüßen.

Im Januar 1992 kommt die Urkunde über die Errichtung einer Pfarrstelle.

Am 23.02.1992 wird Peter Gottke zum ersten Pfarrer dieses Pfarrbezirkes gewählt.

Zum Autor Karl-Heinz Frankhäuser (Auszug aus dem AK-Kurier vom 23.12.2014):

Die Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Honnefeld prägte Karl-Heinz Frankhäuser maßgeblich mit. Insgesamt 25 Jahre hat er im Presbyterium mit gearbeitet. Zeitweise als Vorsitzender oder dessen Stellvertreter. Er rief unter anderem den „Gemeindebrief“ ins Leben. Auch gründete er 1984 den Singkreis. Für sein großes Hobby, den Gesang, setzt er sich auch außerhalb der Kirche ein, er singt bis heute in drei Chören in Oberhonnefeld in Straßenhaus und im Singkreis. Weiterhin wirkt Frankhäuser im Kreischorverband als stellvertretender Geschäftsführer mit.

Er arbeitete am Seniorenwegweiser und an der Chronik der Ortsgemeinde Oberhonnefeld-Gierend mit. Karl-Heinz Frankhäuser wurde 2010 mit der Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.

Bei all seinen Aufgaben standen die Mitmenschen immer im Mittelpunkt. Von der Verbandsgemeinde Rengsdorf erhielt er den Ehrenamtspreis 2014 für sein vielseitiges Engagement.